Donnerstag, 28. Mai 2009

Contenance bitteschön!



Mitjammern, eine der Lieblingsbeschäftigungen unserer Zeit. Sei es, dass wir nicht den richtigen Sitzplatz im Zug oder Flugzeug hatten, vielleicht ist gerade der Akku unseres Handys oder unseres Notebooks leer, oder vielleicht haben wir in unserem Job gerade mal wieder "sooo viel zu tun". Gerade der letzte Punkt ist in Zeiten der Rezession eigentlich gar nicht statthaft. Da sollte man sich doch eigentlich freuen, dass man etwas zu tun hat.
Unsere Grosseltern jammerten sicher nicht so viel. Damals hätte sich niemand beschwert, wenn die Pferdekutsche mal eine halbe Stunde später dran war. Heute ist es eine Katastrophe, wenn das Flugzeug mal zwanzig Minuten Verspätung hat. Sofort müssen SMS und Emails geschrieben werden, dass das fest geplante Mittagessen verschoben werden muss. Der gesamte Tagesablauf kommt komplett durcheinander.
Und die Reaktion der Person selbst? Immer dieselbe: Augen verdrehen, seufzen und dann kommt das Jammern. Meistens so laut, dass es wie Wolfsheulen klingt, bei dem dann benachbarte Wölfe gleich mitheulen möchten.
Contenance? - Mal zusammenreißen? - Das kennt heute fast keiner mehr. Gefühle müssen raus. Sofort. Egal auf welchem Weg und über welches Kommunikationsmedium. Mobiltelefon, SMS, Email, Twitter oder Blog. Die ganze Welt muss es erfahren, wie schlecht es einem geht. Und es geht einem erst dann wieder gut, wenn andere mitjammern und dabei lauter heulen als man selbst...

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